"Magistra" - Mural in Hamburg

Vom 27.8. bis 6.9.2025 gestalteten Anna Taut und Pascal Flühmann (KKade) ein großformatiges Fassadenbild an der Eimsbütteler Chaussee 79-81 in Hamburg. Das Grundkonzept des Murals wurde in einem vorangegangenen Workshop entwickelt, an dem Künstler*innen und Wissenschaftler*innen des Leibniz-Instituts zur Analyse des Biodiversitätswandels teilnahmen.

Unter dem Motto „NATURA EST ARTIS MAGISTRA“ („Die Natur ist die Lehrmeisterin der Kunst“), sind zwei heimische Vögel – Wacholderdrosseln (Turdus pilaris) – in einem dekorativen, floralen Rahmen zu sehen. Das Motiv soll daran erinnern, dass die Natur oft als Vorbild für die Kunst dient und dass künstlerische oder technische Errungenschaften oft von natürlichen Prinzipien inspiriert sind.

Fassadengeber: Hans Pfau Grundstücksverwaltung

Fotos: Lucas Mainka

Arbeiten am Mural in Hamburg

Projekt-Initiator:

InUrFaCE e. V.

Der gemeinnützige Verein InUrFaCE e.V. greift auf ein internationales Netzwerk von Wissenschaftler*innen aus der Biodiversitätsforschung als auch von Street Art-Künstler*innen zurück. Er  organisiert Projekte, in denen aus einer interdisziplinären Kooperation großflächig bemalte Fassaden im öffentlichen Raum entstehen. Ziel ist es dabei, durch Kunst die Wertschätzung von biologischer Vielfalt in der Gesellschaft zu erhöhen und die Grundlage für einen bewussteren Umgang mit den Ressourcen der Natur zu schaffen.

Projekt-Partner:

Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB)

Das LIB widmet sich der Erforschung der biologischen Vielfalt und ihrer Veränderungen, deren Erkenntnisse von aufschlussreicher Bedeutung für die gesamte Gesellschaft sind. Um das anhaltende Massensterben von Flora und Fauna besser zu verstehen, erforschen die Wissenschaftler*innen die Zusammenhänge und Ursachen für die – oft menschengemachten – Veränderungen und suchen nach Lösungen für den Erhalt von Ökosystemen und Arten – der Lebensgrundlage der Menschen. 

Projekt-Ermöglicher:

Dr. Hans Riegel-Stiftung

Die Dr. Hans Riegel-Stiftung führt das gemeinnützige Vermächtnis des ehemaligen HARIBO-Mitinhabers fort mit dem Ziel, junge Menschen entlang der Bildungskette bei der Gestaltung der Zukunft zu fördern und nachhaltig zu begleiten. Die Stiftung möchte mit der Kunst-Projektreihe WALLS OF VISION historische Kunstgüter einer breitgefächerten Öffentlichkeit kostenlos zugänglich machen und Menschen generationsübergreifend für die Bildende Kunst begeistern.

Projekt-Ermöglicher:

Union Investment

50 bis 60 % der globalen Wirtschaftsleistung hängen von funktionierenden Ökosystemen und deren Naturdienstleistungen ab, was die hohe ökonomische Relevanz des Themas verdeutlicht. Als Teil der Genossenschaftlichen FinanzGruppe gehört die Union Investment deutschlandweit zu den führenden Fondsgesellschaften. „Als aktiver Vermögensmanager wollen wir den Wandel hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaft mitgestalten.“

Die Künstler*innen

Portrait Anna Taut

Anna Taut

Die Künstlerin Anna Taut wurde in Warschau, Polen geboren und lebt und arbeitet in Berlin. Sie hat ihren Masterabschluss in Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Danzig gemacht und ihr Promotionsstudium im selben Fach an der Akademie der Bildenden Künste in Warschau im Jahr 2021 abgeschlossen. Anna Taut arbeitet mit verschiedenen Medien wie Malerei auf Leinwand, Wandmalerei und Zeichnung. In ihrer Kunst erforscht sie das Thema menschlicher Existenz, ihre Emotionen und Gefühle in Bezug auf die umgebende Welt. 

„Die Natur spielt in meiner Kunst eine sehr wichtige Rolle. Sie ist nicht nur meine wichtigste Inspirationsquelle in Bezug auf Formen und Farben, sondern oft auch eine eigenständige Existenz, die wie der Mensch eine der Parteien im Konflikt des Bildes ist. Ich bin sehr froh, dass ich die Möglichkeit habe, meine Besorgnis über den Verlust der Artenvielfalt zum Ausdruck zu bringen.“
Portrait KKade

Pascal Flühmann (KKade)

Seit 2011 arbeitet KKade als unabhängiger Grafikdesigner und Künstler. Detaillierte, sensible und akribisch ausgearbeitete typografische Illustrationen bilden die Grundlage seiner Kernkompetenzen. Sein Stil erfordert eine großzügige Portion Geduld, Ausdauer und präzises Handwerk. Die typografischen Arbeiten sind geprägt von traditionellem Schweizer Grafikdesign, Elementen des Art Déco und der viktorianischen Kunstrichtung. Zudem fließen Einflüsse aus seinen Graffiti-Wurzeln und der Westküsten-Tattoo-Kultur mit ein.

"Ich strebe danach, meine Kunst in den öffentlichen Raum zu bringen und meinen Stil kontinuierlich weiterzuentwickeln. Jede neue Erfahrung, jedes Projekt, jede Reise und jede Begegnung bereichert meine Arbeiten mit frischen Inspirationen und Einflüssen. Mein Ziel ist es, der Welt der Typografie meinen unverwechselbaren Stempel aufzudrücken und einen bedeutenden Beitrag zur kulturellen Landschaft zu leisten.“

Die Wissenschaftler*innen

Dr. Ralph S. Peters

Dr. Ralph S. Peters ist Biodiversitätsforscher am Museum Koenig Bonn und untersucht die Vielfalt und Evolution von Insekten. Seine große Vorliebe gilt dabei schon seit mehr als 20 Jahren der Erforschung parasitoider Wespen.
„Die Vielfalt des Lebens auf der Erde ist das Wunderbarste und Verrückteste, was es gibt. Es ist für mich völlig naheliegend, sich mit ihr zu beschäftigen. Leider wird eines der größten Probleme unserer Zeit - der Verlust der biologischen Vielfalt und die Zerstörung von Lebensräumen - immer drängender. Es ist ein moralisches, ein wissenschaftliches und ein politisches Gebot, die biologische Vielfalt zu kennen, zu verstehen und zu schützen. Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, so gut ich kann.“

Dr. Katharina Schmidt-Loske

Dr. Katharina Schmidt-Loske arbeitet als wissenschaftliche Leiterin des Biohistoricums, dem Forschungsarchiv zur Geschichte der Biologie, am Museum Koenig Bonn. Sie analysiert und erschließt Nachlässe bedeutender Naturforscher*innen und hegt eine besondere Affinität für die Verknüpfung von Biologiegeschichte und zoologischer Illustration.
„Menschen, die ihrer Begabung folgen und ihren eigenen Weg gehen, möchte ich bestärken und freue mich auf die Kreativität und den Dialog mit den Künstler*innen.“

Der Workshop

Das Grundkonzept für das Wandbild wurde Ende April 2024 in einem zweitägigen Workshop am Museum Koenig in Bonn entwickelt. Mehr Informationen zum Zusammentreffen der Wissenschaftler*innen und Künstler*innen samt eines Videos findet ihr hier.

Unsere Projektmanagerin

In Hamburg stand die Kultur- und Projektmanagerin Susanne Moisan uns tatkräftig zur Seite.

"Anders als Kunst im Museum oder in der Galerie sind Wandgemälde im öffentlichen Raum für alle zugänglich. Mit Flora- und Fauna-inspirierten Fassadengestaltungen Menschen auf die Schönheit der Natur aufmerksam zu machen - auf dem Weg zur Arbeit, zur Schule oder nach Hause - das finde ich großartig, weil Wertschätzung der erste Schritt zur Veränderung ist."